Zölle, Subventionen, Jobabbau: Darum brauchen wir European Content

Shownotes

China überschwemmt den Weltmarkt mit subventionierten Billigprodukten,die USA schotten sich mit Zöllen ab – und Europa schaut zu? Das darf nicht sein. Warum wir Local-Content-Regeln beziehungsweise European-Content-Regeln brauchen, erklärt in dieser Folge der IG Metall BereichsleiterIndustriepolitik. Spoiler: Es geht darum, Arbeitsplätze zu schützen,Steuergelder sinnvoller einzusetzen, Lieferketten zu sichern und kritischeTechnologie zu schützen. Zuvor schauen wir in einen Betrieb, der schon heute fast ausschließlich auf Zulieferer aus Deutschland und Europa setzt.

Mehr Infos zum Thema findest Du unter: https://www.igmetall.de/politik-und-gesellschaft/darum-brauchen-wir-local-content-regeln

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Jacqueline.Sternheimer@igmetall.de

Christoph.Boeckmann@igmetall.de

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00:00:03: Das ist genau das Problem, was wir im Moment sehen, dass der Markt nicht mehr den freien Wie-Gesetzen folgt und da müssen wir als Antwort den europäischen Wirtschaftsraum bestärken und das weder logge Content.

00:00:19: Es ist schon brutal, wie sich die Welt gerade ändert, oder?

00:00:22: Länder wie die USA, aber auch China, die wollen... ihren Platz an der Weltspitze behaupten und packen dafür so richtig hardcore die Ellenbogen aus.

00:00:30: Ja und sehen wir ja nicht nur, wenn wir die Nachrichten sehen, zu Grönland, zu Wien, zu Ehler, das spüren wir ja ganz konkret hierzulande, die Auswirkung dieser, wir zuerst, Mentalität, die da überall ausgepackt wird.

00:00:42: In der Industrie werden aktuell zehntausend Arbeitsplätze pro Monat abgebaut und das ist ja ganz klar, dass wir da jetzt was machen müssen.

00:00:49: Ja.

00:00:49: Und dafür gibt es natürlich mehrere Ursachen.

00:00:52: Eine, die wollen wir heute herausgreifen und uns anschauen, nämlich das Thema mit dem internationalen Wettbewerb.

00:00:57: Haben wir ja gerade schon so ein bisschen anklicken lassen.

00:01:00: Jetzt ist ja so, wir sind eine Industrienation.

00:01:03: Aber das Problem ist, unsere Produkte zu verkaufen, wird immer schwieriger.

00:01:07: Denn da gibt es zum einen China, die nehmen sich in ihrem fünf Jahresplänen vor, in welchen Wirtschaftszweigen sie an der Weltspitze sein wollen.

00:01:15: Und dann subventionieren sie die einfach bis zum geht nicht mehr.

00:01:18: Und das Ergebnis davon ist dann, dass der europäische Markt und die Weltmärkte überflutet werden mit zum Beispiel subventionierten Billigstahl oder E-Autos.

00:01:28: Das macht die Märkte kaputt, das setzt unseren Unternehmen zu, die eben nicht so krasse Förderungen bekommen.

00:01:33: Ja und zum anderen ist da ja noch Trump, der die USA mit Zellen abschottet und Unternehmen zwingt, ihre Produkte in dem Land dann auch zu produzieren.

00:01:41: Der bestellt sich ja sogar Wirtschaftsboss ins weiße Hausein, wie so kleine Schuljungen, versammelt die am Tisch und fragt dann ab, wie viel sie eigentlich in die... Fabriken im Land investieren wollen.

00:01:50: Genau.

00:01:50: Und jetzt ist aber die Frage, was machen wir jetzt?

00:01:52: Das ist die ganz große Frage.

00:01:54: Für die E-Metall sind Local beziehungsweise European Content Regelungen da die Lösung.

00:01:59: Also, dass wir sicherstellen, dass ein Produkt zum Beispiel ein Auto hier gefertigt wird, also zumindest zum festgelegten Anteil hier gefertigt wird.

00:02:07: Und dazu befragen wir dann gleich unseren Bereichsleiter aus der Industriepolitik, wie das genau gehen soll, warum die IG Metall das auch vielleicht nicht nur aus Gründen zur Arbeitsplatzsicherung machen sollte, sondern auch zur Sicherung von kritischen Technologien, das befürwortet oder aus Umweltaspekten.

00:02:25: Und dann stellt sich natürlich die Frage, ob das nicht selbst am Ende protectionistische Maßnahmen sind, die dann nur wieder weitere, andere protectionistische Maßnahmen hervorrufen können.

00:02:35: Genau, aber bevor wir uns mit dem internationalen Paket und der Wirtschaftstheorie beschäftigen, schauen wir zuerst einmal in einem Betrieb in der Hauptstadt, denn dort können wir ganz gut sehen, was Local Content eigentlich bedeutet und was für konkrete Vorteile das für einzelne Betriebe auch haben kann.

00:03:00: Während wir hier noch über das Für und Wider von Local Content Regelungen sprechen, gibt es in Berlin Pankow einen Schienenfahrzeughersteller, der bei seinen Zulieferern schon ganz freiwillig auf Produkte aus fast ausschließlich deutscher und europäischer Produktion setzt.

00:03:15: Warum Sie das machen, das kann uns jetzt Ihr Betriebsratsvorsitzender erklären.

00:03:19: Markus Gierloff, schön, dass du heute bei uns bist.

00:03:22: Hallo, schön, dass Sie mich eingeladen habt.

00:03:24: Herr Klasse, dass du da bist, Markus.

00:03:26: Markus, ihr baut Straßenbahn, ihr baut Regios, U-Bahn, eigentlich so fast alles, was auf Schienen fährt und jetzt nicht gerade ein ICE ist.

00:03:34: Jetzt sagt uns doch mal, welche Teile bekommt ihr von Zulieferern und wie viele davon sind so Pimal Daumen aus Deutschland oder aus Europa?

00:03:43: Also wenn man die Gesamteile eines Fahrzeuges nimmt, kann man mehr oder weniger sagen sind wir eine reine Endmontage, obwohl wir eine Vormontage haben, die mechanische und elektrische Komponenten umfasst.

00:03:55: Aber hier von Kleinsteilen, also von Schaltschrankteilen, wie Steckdosen, USB Elementen und so ein bisschen nehmen zu Blechteilen für die Außen- und Innenmontage eines Fahrzeugs, haben wir eigentlich Das ist eine

00:04:23: Hausnummer.

00:04:24: Ja, absolut.

00:04:25: Jetzt sprechen wir mal über das Warum eigentlich.

00:04:28: Und ich war vor gar nicht so lange Zeit bei euch und habe mir das mal anschauen dürfen.

00:04:32: Bei mir ist so hängen geblieben, dass es hieß, na ja, manchmal ist der Kunde dann auch bei uns da und dann fällt dem relativ spontan noch mal ein, was man da anders machen könnte.

00:04:41: Also eine BVG oder ein Straßenbahnbetrieb in Köln hat ja so viel Erfahrung, weil seit hundert Jahren mit Straßenbahn, dass ihm natürlich, denn wenn er das Fahrzeug hier vor Ort sieht und das ist meistens vortraglich regelt, dass sie hier fast ständig vor Ort sind, noch Änderungen oder Anpassungen haben möchten.

00:04:58: Beziehungsweise, dass ein Leasing-Kunde denn eben doch feststellt, dass in seinem Fahrzeug, also wir können an der Tür ausschnitten, denn im Robot nichts mehr ändern.

00:05:06: Aber wir können natürlich in seinem Fahrzeug oder so eine gewisse Bequemlichkeit für den Zugfahrer oder auch mal für den Fahrgast, dass man eben doch noch mal ein paar halbende Wunsch-Taster oder ein paar LED-Spots mehr einbaut.

00:05:17: Das kann man schon machen.

00:05:18: Und ich glaube, das ist auch unsere Stärke in der Schienenfahrzeugindustrie.

00:05:22: Stadler, dass wir auf diese Wünsche auch eingehen können und auch müssen.

00:05:27: Wir müssen natürlich auch so flexibler sein und können ja den Kunden nicht einfach sagen, jetzt hast du es bestellt und jetzt ist es Ende, sondern wenn möglich auch noch Anpassung in der Montage oder eben auch später noch Anpassung beim Kunden durchzuführen.

00:05:39: Aber das ist dann auch wahrscheinlich einer der Punkte, warum ihr so relativ lokale Zulieferer habt, also aus Deutschland und aus Europa.

00:05:48: Weil man dann sagen kann, da kriegt man die Sachen dann vielleicht auch schneller, also so eine gewisse Flexibilität, die man dann da einfach hatte, oder?

00:05:54: Zum Beispiel nehmen wir mal eine Haltestange in so einer Straßenbahn und jetzt brauchen wir eben doch noch drei Halterwunsch, das ist da mehr vielleicht für Kinder, die ein bisschen tiefer sind.

00:06:03: Ihr kennt ja auch so eine Haltestange, die sind ja nun mal aus Stahl und meistens aus Edelstahl.

00:06:07: Und da würde sich jetzt kein Hersteller hier direkt im Werk hinstellen und noch hunderte von Bohrungen einbringen.

00:06:12: Und natürlich macht es da Sinn, zum Beispiel einen Zuliefer aus Thüringen zu haben oder einen Zuliefer ausschließlich Volkstein zu haben, wo man eben vorbeifahren kann und sagen, so und so hätten wir ja noch.

00:06:21: Und denn jetzt eben doch schneller als aus Indien oder China, dann wird das nicht funktionieren.

00:06:27: Also bis dann die Tscheffe drei Monate später ankommt, dann kann man das nicht mehr machen.

00:06:32: Total.

00:06:33: Sag mal, jetzt ist aber normalerweise in den Chefetagen so, die dann aussuchen, wer sind die Zulieferer, dass die ja gerne mal aufs Geld gucken.

00:06:40: Und wenn man dann nochmal ein paar Cent sparen kann, dann ist das denen auch recht.

00:06:43: Und jetzt hast du gerade das Beispiel gesagt, ja ja, der Zulieferer aus Thüringen, da kann man dann vor Ort hingehen und sagen, komm, wir brauchen jetzt hier und hier nochmal ein paar andere Bohrungen und sowas in der Haltestange.

00:06:53: Aber sagt dann dann auch vielleicht die Chefetage, ja gut, aber komm, wir nehmen doch jetzt den aus Indien oder aus China, weil da kostet die Stange weniger.

00:07:01: Da muss man sich schon vorher ganz genau überlegen, welcher Teil man wo kauft, weil man ja auch im Bereich des Ingenierings, also die Zeichnung müssen ja der Atlantischsprache dort angepasst sein, beziehungsweise mindestens auf Englisch.

00:07:13: Wir haben Zulassungsthemen, also europäische Bundesamt bei regionalen Fahrzeugen, bei allen Schienenfahrzeugen.

00:07:19: Die Landesbehörden bei Straßenbahnen, nicht jeden Bauteil, also wir reden ja hier auch von Stielen und von Kunststoffen, von Brandschutzthemen.

00:07:27: Du brauchst Brandschutzzeugnisse, du brauchst Festigkeitsnachweise bei Schrauben.

00:07:33: Wenn man diese Thema eingehen möchte, dann ist es sehr grober Aufwand und dann muss man immer erst vergleichen.

00:07:40: Redik hier von einer Einsparung von mehreren tausend oder wie in anderen Bereichen vielleicht von Millionen und das eher weniger bei uns.

00:07:48: Kurz, nee, so eine Themen haben wir in der Tiefe nicht.

00:07:51: Bei euch spielt ja auch die Rolle, ihr kriegt die Teile und müsst ja teilweise auch noch bearbeiten.

00:07:55: So was muss man ja wahrscheinlich auch mit in die Rechnung aufnehmen, dass man sagt, wenn ich woanders bestelle, wenn ich woanders kaufe, vielleicht wenn ich billiger kaufe, kriege ich normalerweise auch nicht die gleiche Qualität.

00:08:05: muss ich dann nachher mehr bearbeiten und nachher lohnt sich es dann wieder nicht, oder?

00:08:10: Doch, das spielt eine große Rolle.

00:08:11: Zum Thema kann ja zum Beispiel herkommen, in der Zeichnung steht drinnen, die Kanten, die dürfen, müssen alle glatt sein und müssen hier unten mit sein, niemand darf sich verletzen.

00:08:18: Gut, jetzt ist es passiert, derjenige hatte dort nicht so hierhergestellt und jetzt wird die Tianile gehört, wir stellen fest, Mensch, das ist nicht ganz nach Zeichnung.

00:08:24: Und umso weiter der Weg ist, wir müssten ja dem Lieferanten noch eine Möglichkeit der Nachbearbeitung einräumen.

00:08:30: Jetzt geht davon aus, dass es aus dem... Tiefen Asien, bis denn jemand hier ist und der vielleicht Kanten abbearbeitet hat.

00:08:38: Das wird nicht so schnell funktionieren.

00:08:39: Jetzt könnten wir mal sagen machen wir hier im hause stellen wir zur Notenrechnung.

00:08:42: Das muss aber alle erstmal verhandelt werden.

00:08:44: Aber im nächsten step kann man ja auch sagen ist der relativ nahe der Lieferant.

00:08:49: Dann können wir ihn aber auch mal einladen hierher können Leute aus seiner Produktion sagen so und so hätten wir gerne oder wir fahren vorbei und zeigen ihm bitte was dann auch wieder in Asien riesel.

00:08:59: Problem ist also nacharbeiten nicht.

00:09:01: nicht grundsätzlich, sondern nacharbeiten nur deshalb, weil man ja vielleicht nicht immer nach der Zeichnung gefertigt hat, die wir aussehen haben.

00:09:09: Das ist so der Aspekt für euch mit der Qualität als Produzenten, aber für Kunden hat das ja auch Auswirkungen.

00:09:15: Also so eure Abnehmer irgendwie kommunale Verkehrsbetriebe, Budget ist immer knapp und da gilt ja am Ende auch der Satz, wer billig kauft, kauft zweimal, oder?

00:09:25: Also wenn ihr den jetzt etwas liefert, weil sich eine Straßenbahn und da sind billige Teile verbaut, die haben vielleicht eine weniger länger Halbbarkeit.

00:09:34: Welche Konsequenzen hat das, würdest du sagen, das ist am Ende?

00:09:38: Kommt teurer.

00:09:39: Also als erstes würden wir uns selber ins Fleisch schneiden mit einer schlechten Qualität, weil der Kunde dann eben sagt, wir sind hier in der Gewährleistung, bitte ersetzt mir Detail, repariert mir Detail.

00:09:49: Also heißt natürlich von uns auch von Anfang an ordentliche Qualität an den Kunden auszuliefern, sodass er auch nach der Gewährleistung sagen kann, ich hab da vernünftige Züge gekauft, weil was passiert denn, wenn... Wenn du immer wieder nach der Erwegeleistung feststellst, nach drei, vier, fünf Jahren geht das kaputt.

00:10:05: Also ist für uns doch die erste Prämisse, zusammen mit unseren einkaufenden Teilen die höchste Qualität gleich an den Kunden zu liefern.

00:10:11: Sag mal, jetzt setzt ihr ja schon auf Local und European Content.

00:10:17: Das freut eure Zulieferer natürlich.

00:10:20: Wie ist das denn bei euch?

00:10:21: Würdet ihr denn, wenn wir jetzt so Regeln einführen würden?

00:10:24: auch ihr selber profitieren.

00:10:25: Ich kenne das jetzt aus dem Stahl und aus der Autoindustrie.

00:10:28: Da haben wir das Problem, dass da stark subventionierte Billigangebote aus Fernost, aus China hierher kommen und hier den Markt kaputt machen.

00:10:37: Wie ist es denn bei Schienenfahrzeugen?

00:10:38: Schwierig.

00:10:39: Es ist schwierig, weil natürlich gibt es mir eine große Hersteller in Europa, aber auch in Asien und natürlich gibt es auch... In China, wenn wir direkt dort reden, den größten Konzern, der wahrscheinlich, wenn er seinen eigenen Markt nicht bedienen kann, auch stark und exzessiv nach Europa drängt, weil wir einen sehr liberalen und offenen Schienenfahrzeugmarkt haben, die Sachen sind ja halt die.

00:11:02: Local Content muss natürlich auch irgendwo in den Ausschreibungen berücksichtigt werden.

00:11:07: Und das vermissen wir halt, denke ich, als Hersteller sehr.

00:11:11: Markus, sag uns doch noch einmal zum Schluss, ich weiß, es kam jetzt so viele... wichtige gute Argumente auf in unserem Gespräch zusammen.

00:11:17: Fasst doch noch einmal für uns zusammen so aus eurer Erfahrung und Unternehmen.

00:11:21: Warum ist logical Content so wichtig?

00:11:22: Was sind die wichtigsten Punkte?

00:11:24: Für uns sind die wichtigsten Punkte Qualität, die wir erzeugen, Qualität die Zulieferer erzeugen.

00:11:29: Wichtige Punkte sind für uns in Deutschland und Europa, dass wir nur mit Qualität und hohem Wissen punkten können.

00:11:35: Und wenn wir über Fachkräftemangel reden, dann reden wir auch von einer hohen Ausbildung und hohem Wissen und nicht nur von Massenproduktionen, die wir dann hinterher nach ein paar Jahren bei schlechter Qualität wieder wegwerfen.

00:11:45: Und das berücksichtete, das sind die weslerloge Content, weil jetzt sind immer unsere Steuern auch in Europa so bewertet werden, dass sie mit Einfluss haben, wenn wir Fahrzeuge und Produkte in Europa herstellen.

00:11:57: dass diese dann auch so bewertet werden, weil nur dadurch können wir unsere Schienenfahrzeuge bräuchte, die meiner Meinung nach immer noch eine Hochtechnologie ist, auch in Europa erhalten, denn wir müssen den Leuten ja an den Universitäten für unseren Beruf begeistern, für unsere Fahrzeuge begeistern, aber wir müssen auch dafür sorgen, dass unsere Zulieferer in Europa und in Deutschland auch die richtigen Personalien haben.

00:12:18: Und dann musst du vielleicht auch die Politik so wertschätzen, dass man sagt, das ist wichtig, das sind hohe Produkte.

00:12:25: die beeinflussen auch den gesamten Markt, wo wir Menschen in die ganze Europa bewegen.

00:12:29: Okay, wir haben verstanden, warum das Thema für euch so wichtig ist.

00:12:33: Danke, dass du uns da aufs Gleis gesetzt hast und dass du dir da Zeit genommen

00:12:37: hast.

00:12:37: Vielen Dank, Markus.

00:12:38: Ja, sehr gerne.

00:12:47: Okay, das war jetzt ziemlich einleuchtend alles.

00:12:50: Also wenn Zulieferer vor Ort sind, dann gibt es recht sichere Lieferketten und man ist auch flexibler.

00:12:56: Und für den Kunden ist es natürlich auch eine coole Sache.

00:12:58: Der kommt einfach ins Werk in Berlin-Pankow vorbei, schaut sich den Zug an, während der im Entstehen ist und kann dann noch sagen, sag mal, können wir da noch was ändern?

00:13:06: Können wir da vielleicht noch die Beinfreiheit erhöhen oder irgendwas in der Art?

00:13:09: Und dann machen die Kolleginnen und Kollegen das dort.

00:13:12: Und das geht natürlich nicht, wenn du den Zug auf der anderen Seite der Welt bestellst.

00:13:15: Ja, genau.

00:13:16: Und wenn dann irgendwas geliefert wird, irgendwelche Teile vom Zulieferer und da stimmt irgendwas nicht, dann kannst du halt auch mal schnell sagen, komm mal rum.

00:13:23: Schau dir das mal an, mach mal bitte richtig.

00:13:25: Genau, also die Vorteile sind ganz eindeutig.

00:13:28: Aber unser Problem mit dem internationalen Wettbewerb löst es noch nicht, jedenfalls nicht, wenn das nicht alle so machen.

00:13:35: Und der Markus hat uns ja auch erzählt, dass es schon sein könnte, dass bald subventionierte Schienenfahrzeuge aus Fernost auch hier auf den Markt bringen.

00:13:42: Ja dann, Christoph, dann müsste wir jetzt an dieser Stelle mal in die Wirtschaftspolitik einsteigen und dafür haben wir zum Glück genau den richtigen Mann.

00:13:56: Häufig ist er in Brüssel und Berlin, denn dort wird die für uns als Industriegewerkschaft so wichtige Industriepolitik bestimmt.

00:14:04: Und da wollen wir natürlich mitbestimmen, aber heute ist er bei uns hier in Frankfurt.

00:14:10: Unser Betreifsleiter Industriepolitik, lieber Heiko Reese, schön, dass du heute Zeit für unsere Fragen hast.

00:14:16: Ja, schön, dass ihr mich eingeladen habt.

00:14:18: Jetzt ist eines der Themen, die die Industriepolitik bewegt, das Thema Local Content.

00:14:23: Und das willst du bewegen, das wollen wir bewegen.

00:14:27: Und Local Content muss man jetzt erklären.

00:14:29: Da geht es darum, dass man sagt, okay, man möchte festlegen, dass ein gewisser Teil der Wertschöpfungskette im Land ist.

00:14:36: Also man will sagen, wenn man Produkt hat, ein Anteil an der Produktion dieses Produkt soll in dem Land sein.

00:14:43: Jetzt gibt es aber Ökonomen, die sagen, nee, nee, der freie Markt.

00:14:46: Das muss alles frei sein.

00:14:47: Der freie Markt ist das Effizienteste und ist das, was zu am meisten Wohlstand führt.

00:14:53: Irren wir uns jetzt als IG Metall, wenn wir sagen wollen, Local Content Regelungen oder irren sich die Ökonomen?

00:14:59: Ja, ich würde sagen, freier Markt ist schon okay, wenn er denn frei wäre.

00:15:03: Aber das ist genau das Problem, was wir im Moment sehen, dass der Markt nicht mehr den freien Gesetzen folgt.

00:15:11: sondern durch verschiedene Vorgehensweisen, Beispiel USA, Beispiel China, mit unlauteren Methoden bedient wird.

00:15:18: Sie wenden Praktiken an, die aus unserer Sicht kein fairer Wettbewerb mehr darstellen, wenn Produkte subventioniert werden und auf den Markt gebracht werden, um sich Marktanteile zu sichern.

00:15:31: Dann ist das ein Mittel, was wir nicht gut heißen.

00:15:33: Da müssen wir entgegensetzen als Europäische Union, da auch eine Antwort dagegen setzen und den europäischen Wirtschaftsraum stärken.

00:15:42: Und das will lokal Content.

00:15:44: Oft kritisieren wir, haben wir es bei Trump zum Beispiel kritisiert und haben gesagt, jetzt macht der Zölle, jetzt macht der Protektionismus.

00:15:50: Ist jetzt die richtige Reaktion darauf zu sagen, ja gut, da müssen wir sowas ähnliches machen?

00:15:54: Oder ist es so, dass man sagt, nee, es gäbe noch irgendwie die Möglichkeit WTO-Regeln für alle?

00:15:59: Oder glauben wir da gar nicht mehr dran?

00:16:01: Ja, ich würde sagen, wir müssen beides machen.

00:16:03: Wir müssen ein Stück weit mehr auf uns selber schauen, auf den europäischen Wirtschaftsraum.

00:16:09: Grundsätzlich sagen wir schon, dass die WTO-Regeln eigentlich das Instrument sind, um den weltweiten Handel ein Stück weit... Ja, entsprechende Regeln zu geben.

00:16:23: Leider sehen wir, dass viele sich nicht mehr an diese WTO-Regeln halten.

00:16:26: Und wenn wir die letzten sind, die die WTO-Fahne hochhalten und uns ein zu eins an das halten, was dort geregelt ist, dann werden wir am Ende die Verlierer sein.

00:16:38: Und das ist auch keine Alternative.

00:16:40: Vielleicht ganz kurz WTO, Welthandelsorganisation und vielleicht wollte ich ganz kurz sagen, welche Regeln ihr sprecht.

00:16:45: Ja, bei der Welthandelsorganisation geht es darum, dass man eben einen freien Markt haben möchte und dass man das darum geht, dass es Regeln gibt, dass man einfach halt andere nicht ausschließen darf bei Markt zum Beispiel, würde ich jetzt mal so zusammenfassen.

00:16:57: Jetzt sag mal aber, also ist ein bisschen so, jetzt ist natürlich dann die Logik, dass man sagt, okay, der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dümmerer ist, der Dümmerer wollen wir nicht sein.

00:17:06: Wie ist es denn, aber kann sich da noch mehr... Ins negative wegen, weil wir haben natürlich schon auch ein bisschen das Problem, dass unsere Industrie ja davon lebt, auch viel zu exportieren.

00:17:15: Und wenn wir jetzt sagen, okay, im Moment, wir machen Local Content, machen das dann andere verstärkt auch.

00:17:19: Ich

00:17:20: glaube nicht, dass wir der Auslöser sind, wenn wir jetzt Local Content Regelungen fordern, sondern die Local Content Regelungen sind eigentlich eine Reaktion auf das, was um uns herum passiert.

00:17:30: Und du hast es eben gesagt, ja, der Klüger gibt nach so lange ein bisschen dümmere ist.

00:17:35: und genau auf diesem Weg haben wir uns befunden.

00:17:37: Und deswegen müssen wir jetzt, glaube ich mal, eine andere Abbiegung nehmen und mit Local Content in den Vordergrund stellen, dass wir unsere Wertschöpfungsketten stärken wollen.

00:17:48: Okay, du sagst, wir sind in keiner perfekten Marktsituation.

00:17:52: Sind wir denn jetzt die Ersten, die dann Local Content machen?

00:17:54: oder wie gehen denn andere da mit dem Thema um?

00:17:57: Es gibt schon noch andere Länder, die genau auch diese Strategie verfolgen.

00:18:00: Ein prominentes Beispiel in Europa ist Frankreich.

00:18:03: die die Förderung ihrer Elektroautos daran gebunden haben.

00:18:07: Wie hoch ist denn der CO-Footprint?

00:18:09: Wie viele CO-Emissionen entstehen dabei, wenn ich ein Elektroauto fördere?

00:18:16: Und wenn man denn auf Elektroautos aus China guckt, dann haben die durch die Transporte, die nach Europa stattfinden, einen ziemlich hohen CO-Footprint.

00:18:24: Das heißt, Frankreich hat mit dieser einfachen Maßnahme ausgeschlossen.

00:18:28: dass außer europäische Elektroautos gefördert werden.

00:18:31: Und das ist eine ganz konkrete Local Content-Maßnahmen und sowas würde ich mir für Deutschland auch vorstellen.

00:18:38: Okay, verstehe mir.

00:18:39: Jetzt gehen wir mal in den Thema öffentliche Investitionen.

00:18:43: Gehen wir das mal an, wie könnte das Glocke-Content da aussehen?

00:18:46: Also wenn ich mir jetzt zum Beispiel vorstelle öffentliche Investitionen, es wird eine Brücke gebaut, es werden Schienen verlegt, dann läuft es ja normalerweise so, dass es dann ausgeschrieben wird und dann bekommt es derjenige, der sagt, ich mach's am belegsten.

00:19:00: Weil es geht ja um Steuergelder, da denkt man, okay, man muss möglichst wenig Steuergelder dafür aufwenden, ist doch eine gute Sache, ist eine gewisse Logik.

00:19:07: Wir sagen, das ist nicht unbedingt die beste Logik.

00:19:10: Nein, weil da muss man sich dann auch mal angucken, wo kommen die Steuergelder her?

00:19:13: Die kommen eben von Unternehmen, die hier produzieren, die kommen von Arbeitnehmern, die hier in der lokalen Industrie beschäftigt sind.

00:19:21: Und wenn es darum geht, Steuergelder auszugeben, dann muss es genau diesen Bereichen zugutekommen.

00:19:27: Den Arbeitnehmern, in dem ihr Arbeitsplatz gesichert wird, den Unternehmen, die hier produzieren, zu sicherlich höheren Kosten.

00:19:35: aber dann eben auch mit dem Effekt, dass dadurch Steuereinnahmen generiert werden.

00:19:40: Und das ist unsere ganz einfache Logik.

00:19:42: Heißt, wenn ich jetzt zum Beispiel den Stahl für eine Brücke kaufe und der Stahl kommt aus China, dann gebe ich das Geld aus unserem Kreislauf heraus.

00:19:53: Und wenn ich das jetzt aber an ein deutsches Unternehmen geben würde, wenn das jetzt zwischen Krupp oder Sachstahl oder wer auch immer bekommen würde, dann würden die damit einnahmen machen und damit auch wieder Steuern bezahlen.

00:20:03: Also die bezahlen ihre Beschäftigten, die zahlen Einkommenssteuer, das Unternehmen zahlt Unternehmenssteuer und damit haben wir auch wieder mehr Steuereinnahmen.

00:20:11: So ist das, dass wir eine klassische Stärkung des Binnenmarktes, wir geben Geld, was wir ja als öffentliche Förderung ausgeben, in unser System rein und sorgen damit auch wieder für Steuereinnahmen.

00:20:23: Okay, verstehe.

00:20:24: Also nur aufs günstigstezuschauen ist da also jetzt nicht die Lösung.

00:20:28: Das wäre nicht die Lösung, obwohl wir jetzt auch nicht sagen, das muss zu hundert Prozent so angewandt werden.

00:20:33: Aber wir wollen schon einen signifikanten Anteil an heimischer Wertschöpfung konditioniert haben.

00:20:40: Und das muss nicht immer nur die deutsche Wertschöpfungskette sein, sondern wir leben in einem europäischen Wirtschaftssystem.

00:20:48: Und genau dieses müssen wir stärken.

00:20:50: und deswegen dürfen wir auch eigentlich nicht die Local Content sagen, sondern wir müssten eigentlich die European Content sagen.

00:20:56: Wie

00:20:57: sieht es dann genau aus?

00:20:58: Also wenn ich eine Brücke baue, ist es dann nachher nur noch so, dass man sagt, okay, die wird nur noch hier zusammengeschraubt.

00:21:03: Das reicht dann, also quasi das Logo drauf gemacht.

00:21:06: und oder von der Schiene, da wird noch noch das Logo drauf gepresst und dann ist es eigentlich ja kein Local Content oder kein European Content, sondern der Stahl dafür ist zum Beispiel aus China gekommen.

00:21:15: Genau und deswegen sagen wir, wir wollen die Wertschöpfungskette stärken und Wertschöpfungskette heißt in dem Fall von der Grundstoffindustrie bis zum fertigen High End Produkt.

00:21:25: Also letzten Endes hier nur dafür zu sorgen, dass hier die einzelnen Komponenten zusammengeschraubt werden, wäre für uns zu kurz gesprungen.

00:21:33: Aus unserer Sicht muss der Stahl dann auch schon hier in Deutschland oder mindestens in Europa dann auch produziert sein.

00:21:41: Okay, und wie macht man das?

00:21:42: Man sagt dann eine gewisse Quote, also man sagt dann, achtzig Prozent der Wertschöpfung, sechszig egal, jetzt nur mal so dahin gesprochen, man macht dann eine Prozentquote.

00:21:50: oder wie geht man davor?

00:21:51: Genau, man macht eine Prozentquote und wir diskutieren gerade in den vielen Branchen, die wir als E-Metall vertreten, gerade, was ist die richtige prozentuale Anzahl dort?

00:22:01: Das wird man nicht immer punktgenau treffen, aber Wir gehen da jetzt erstmal so ran, dass wir sagen, mindestens das, was heute schon an heimischen Komponenten eingesetzt wird, muss auf zukünftig erhalten bleiben.

00:22:13: Gerne natürlich noch ausbauen, aber wir gehen jetzt auch nicht mit einer hundert Prozent Forderung raus und sagen, alles muss hier aus dem europäischen Wirtschaftsraum kommen.

00:22:22: Wenn man der Politik so zuhört, habe ich das Gefühl, das kommt auch langsam dort so ein bisschen an und verfängt dort.

00:22:27: Jetzt zum Beispiel bei dem letzten Stahl-Dialog wurde dann gesprochen, dass man den künftig grün produzierten Stahl vermehrt benutzen möchte, wenn man öffentliche Aufträge ausschreibt.

00:22:39: Jetzt hat die EU-Kommission beim Thema Auto gesagt, na ja, also da gibt es ja so Grenzwerte, wie viel CO-Zwei die ausstoßen sollen.

00:22:46: Da soll man jetzt besser die lokal produzierten kleinen Wegen verstärkt mit einberechnen.

00:22:52: Also das klingt alle so, ich glaube das Wort Local Content fällt da eher noch nicht so ganz, aber es geht so in die Richtung.

00:22:58: Merkst du denn, dass es Signale in Brüssel und Berlin gibt, dass das kommen kann?

00:23:02: Signale gibt es auf jeden Fall.

00:23:04: Allerdings bewegen wir uns in sehr kleinen Schritten Richtung einer Local Content Forderung, wie wir sie definieren.

00:23:13: Das könnte noch erheblich mehr Geschwindigkeit aufnehmen.

00:23:16: Ein Beispiel.

00:23:17: ist etwas, wo ich mich im Dezember sehr intensiv mit beschäftigt habe, nämlich das Vergabegesetz, wo es genau darum geht, öffentliche Mittel.

00:23:25: Welche Regeln gibt es eigentlich dafür, wenn öffentliche Mittel ausgegeben werden?

00:23:30: Da hätte man sehr gut eine ganz konkrete Local Content Regelung einbauen können.

00:23:35: Das ist aber nicht passiert.

00:23:36: Deswegen sage ich, wir stehen noch am Anfang dieser Diskussion.

00:23:40: und werden sicherlich das gesamte Jahr, die Jahr-Zwei-Tausend-Sächsen-Zwanzig damit verbringen.

00:23:45: Local Content von einer relativ abstrakten Forderung, in konkrete gesetzliche Regelungen hineinzubringen.

00:23:54: Genau, das sind jetzt öffentlich Investitionen, über die wir gesprochen haben, aber wir wollen ja mehr.

00:23:59: Wir wollen ja, dass es noch weiter darüber hinausgeht, wenn ich jetzt ein chinesisches Auto hier in Deutschland kaufen möchte.

00:24:05: Muss das dann auch nach, also wenn man jetzt das radikal Weiterdenkloke-Content, muss das dann auch hier produziert worden sein?

00:24:12: Das wäre die logische Konsequenz, ja.

00:24:15: Und deswegen sagen wir auch, wer ein Marktzugang in Europa haben möchte, der muss auch sicherstellen, dass ein gewisser Wertschöpfungsanteil hier in Europa erbracht wird.

00:24:28: Vielleicht ein Beispiel dazu.

00:24:30: Wir haben eine BYD-Autoproduktion in Ungarn.

00:24:34: Diese BYD in chinesischer Hersteller von Elektroautos, diese Produktion wird zu hundert Prozent mit chinesischen Komponenten gemacht.

00:24:44: Das heißt, die Komponenten werden in China gefertigt, werden nach Ungarn transportiert.

00:24:49: Dort wird ein Auto daraus zusammengeschraubt.

00:24:52: Und noch ein weiterer Punkt, nicht nur die ganzen Komponenten kommen aus China, auch die Beschäftigten in dieser Fabrik kommen zu achtzig Prozent aus China.

00:25:01: Und da sagen wir, Das kann es nicht sein, wer Autos auf dem europäischen Markt verkaufen möchte, der muss auch hier produzieren, und zwar mit hier gefertigten Komponenten und vor allen Dingen mit hier ansässigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.

00:25:16: Genau, aber sag mal, wenn jetzt zum Beispiel Beibei die in Ungarn Autos baut, Elektroautos baut und das mit lauter Zulieferteilen aus China, dann kommen diese Zulieferteile ja jetzt noch auf einem Weg nach Ungarn, der wahrscheinlich nicht klimaneutral ist.

00:25:33: Müssen wir sowas nicht eigentlich auch mit einberechnen, dass wir sagen, okay, Local Content hat ja auch den Vorteil, dass wir keine langen Lieferwege haben, bei denen wir CO² rausblasen, was in der Gesamtstatistik eigentlich gar nicht vorkommt?

00:25:45: Das ist der ökologische Aspekt, der bei der Local Content Forderung für uns auch eine große Rolle spielt, nämlich dafür zu sorgen, dass eine regionale Wertschöpfung stattfindet und wir keine hohen CO-Zweihemissionen beim Transport der Teile um die ganze Welt haben.

00:26:01: Das heißt, ein ökologischer Aspekt bei Local Content ist neben dem Resilienzaspekt, sich also unabhängiger zu machen, noch ein ganz wichtiger.

00:26:11: Und es gibt noch einen dritten wichtigen Aspekt, nämlich die Frage Sicherheit.

00:26:17: Jetzt ist das Wort Sicherheit gefallen.

00:26:19: Klingt interessant.

00:26:19: Kannst du das nochmal für uns ausführen?

00:26:21: Wir müssen auch darauf achten, dass wir unsere kritische Infrastruktur mit heimischen Produkten ausstatten.

00:26:29: Vielleicht auch dazu ein Beispiel.

00:26:31: Ich hatte mich in Berlin mit einem Bundestagsabgeordneten aus Bremer Hafen unterhalten, der über seine chinesischen Entladekräne berichtete und bei Reparaturmaßnahmen hat man in diesen chinesischen Entladekränen auf einmal im Modem gefunden, wo keiner wusste, Wohin sendet das?

00:26:49: Wo gehen Daten hin?

00:26:51: Und das, meine ich, ist auch ein wichtiger Aspekt, warum wir auf Local Content setzen sollten,

00:26:57: um

00:26:58: uns eben nicht nur unabhängiger zu machen, sondern auch eine größtmögliche Sicherheit für unser Land bzw.

00:27:05: für Europa herstellen zu können.

00:27:07: Ist ja Sicherheit.

00:27:09: Klar, das ist ein Modem, was uns vielleicht überwacht.

00:27:11: Aber es gibt ja auch Technologien.

00:27:13: die geschützt werden müssen, denke ich.

00:27:16: Wir sehen es auch teilweise bei Rohstoffen, aber auch bei Zulieferteilen, dass die teilweise aus Fernost so billig angeboten werden, dass unsere Industrie kaputt geht.

00:27:26: Nachher kommen dann diese Teile nur noch aus Fernost und dann werden auch irgendwann die Preise erhöht und dann stehen wir da und haben uns darauf verlassen, dass es da ist.

00:27:34: Also das bedeutet, was ist denn jetzt alles kritisch und was ist jetzt nicht kritisch?

00:27:39: Ich glaube, da wird unsere Zeit nicht reichen, wenn wir uns jetzt alles angucken, was kritisch ist und was nicht kritisch ist.

00:27:45: Deswegen würde ich einfach nochmal auf den Grundsatz abheben, der dahinter steht.

00:27:49: Ich glaube, wir müssen mehr Strategie denken in die Zukunft rein.

00:27:54: Wie stellen wir uns als Industriestandort oder als Industrie insgesamt hier in Deutschland und Europa auf?

00:28:02: Im Moment ist mir das alles zu sehr geprägt von den billigsten Komponenten, die eingesetzt werden sollen.

00:28:09: Jeder Unternehmenslenker schaut immer mit einem Auge auf den nächsten Jahresabschluss.

00:28:15: Wir werben dafür, dass mehr strategische Industriepolitik auch von den Unternehmen betrieben wird und nicht nur dafür gesorgt werden, dass die Aktionäre befriedigt sind, sondern letzten Endes geht es ja auch um Strategie.

00:28:30: Da schreckt jetzt vielleicht der ein oder die andere auf und sagt ok.

00:28:34: Aber was ist denn jetzt, wenn das eben nicht passiert, wenn die Produktion von meinem iPhone jetzt nicht in Deutschland stattfindet?

00:28:39: Ich will aber unbedingt ein iPhone.

00:28:40: Was dann?

00:28:41: Also... letzten endes wird man nicht zu hundert prozent lokal content umsetzen können.

00:28:47: das heißt es wird immer ausnahmeregelungen geben.

00:28:50: es wird auch sachen geben die können wir gar nicht vorschreiben.

00:28:53: wenn wir jetzt mal an rohstoffe denken selten der erden zum beispiel die wir hier gar nicht haben.

00:28:58: da können wir ja nicht vorschreiben dass die von hier kommen müssen wenn wir sie hier gar nicht haben.

00:29:02: das heißt also es wird ausnahmeregelungen geben.

00:29:05: Ich glaube, dass der Verbraucher nicht sehr viel davon merken wird.

00:29:12: Das ist eher eine Anforderung, die durch eine staatliche Lenkung Unternehmen in einen gewissen Zwang versetzt, die heimischen Wertschöpfungsketten zu stärken.

00:29:22: Und das ist genau das, was wir wollen.

00:29:24: Und das versuchen wir jetzt umzusetzen.

00:29:26: Das heißt also, wenn jetzt ein Unternehmen sagt Stop Local Content, möchte ich gar nichts von hören, weil ich in meiner Produktion, ich bin so abhängig von anderen Rohstoffen, von anderen Technologien, ich kann damit gar nichts anfangen, dann würdest du sagen.

00:29:38: Dann gibt es auch Ausnahmeregelung.

00:29:40: Wenn es vernünftig begründet werden kann, dann stehen wir dem natürlich nicht entgegen, weil wir wollen hier nichts Unrealistisches, sondern wir wollen einen Fokus auf die heimischen Wertschöpfungsketten richten.

00:29:51: Genau.

00:29:52: Und wenn man eben diese Wertschöpfungsketten im Land halten will, dann geht es ja zum einen darum, Arbeitsplätze zu schützen.

00:29:58: Das ist klar, das ist uns auch besonders wichtig.

00:30:01: Aber es geht eben auch darum, Technologien zu schützen, also Stichwort Resilienz.

00:30:05: Wir haben ja gesehen, in der Pandemie auf einmal, ja, war man eben nicht davor gefeilt, dass irgendwie Masken ausgegangen sind, weil die Produktion verlagert war.

00:30:13: Wie wichtig ist das Thema Resilienz, wenn wir zu Local Content Argumentation?

00:30:17: Das ist

00:30:17: ein ganz wichtiger Punkt, warum wir diese Local Content Forderung aufgestellt haben.

00:30:21: haben, weil du hast es eben angesprochen.

00:30:23: Während Corona haben wir gesehen, was passiert.

00:30:25: Auch während Ausbruch des Ukrainekrieges, also vor allem Kabelbäume fehlten, Lieferketten waren gestört.

00:30:32: Und wenn man die Endproduktion inklusive der Zulieferer an einem Standort hat, kurze Wege hat, dann ist das meines Erachtens auch für das Produkt besser und sorgt für Resilienz.

00:30:47: Das heißt, wir müssen uns auch strategisch unabhängig aufstellen.

00:30:51: Das ist wichtig.

00:30:52: Die Frage ist ein bisschen taugtlogisch.

00:30:56: Jetzt auch wirklich, wenn man es einmal komplett durchdenkt, um Technologien zu schützen.

00:31:00: Also ist es vielleicht am Ende nicht auch ein bisschen naiv zu denken.

00:31:04: Ja, wir können jetzt auch diese Technologien komplett hier aufbauen.

00:31:08: Also so wie viele Autohersteller sind komplett abhängig, oft noch von den Batterien aus dem Ausland für Elektroautos.

00:31:14: Wie realistisch ist das dann wirklich diese Kompetenzen auch hier?

00:31:18: schnell aufzubauen, so schnell wie Industrie das eben dann braucht.

00:31:21: Ich denke, das ist sehr realistisch.

00:31:23: Wir haben in der Vergangenheit als Industrie- und Wirtschaftsstandort Deutschland oftmals bewiesen, dass wir sehr gut in solchen Sachen sind, dass wir Technologieführer sein können und wir haben es in der Vergangenheit sogar geschafft, Made in Germany zu einem Qualitätsmerkmal zu entwickeln.

00:31:39: Warum sollten wir das nicht schaffen?

00:31:41: und Da wäre ich nochmal ganz explizit dafür, nicht nur zu gucken, was in diesem Land ein Licht läuft, nicht sich in einem Beschwerdemodus ergehen, sondern einfach ein Stück weit Mut für die Zukunft fassen und sagen, wir wollen das, wir können das und wir schaffen das.

00:32:01: Ich weiß, es ist ein beflügeltes Wort, aber nichtsdestotrotz darum geht es, einfach ein bisschen mehr Mut in diesem Land wieder zu generieren.

00:32:11: Also Heiko, Hast du uns überzeugt?

00:32:13: oder Christoph?

00:32:14: Total.

00:32:15: Aber was uns natürlich jetzt noch Brenn interessiert, wie geht es denn weiter?

00:32:18: Du hast es schon konkreter gemacht, aber es ist alles noch so am Laufen, es entwickelt sich.

00:32:21: Wie geht es jetzt konkret weiter?

00:32:23: In der Theorie gut.

00:32:24: Wie sieht die Praxis jetzt aus?

00:32:25: Für

00:32:25: dich und für die IG Metall.

00:32:26: Das Gute ist, dass wir jetzt IG Metall da Erfahrungswerte haben.

00:32:30: Nach dem Aufstellen der Forderung kommt die Umsetzung, dass praktizieren wir jeder Tarifrunde und so sieht das auch im politischen Geschäft aus.

00:32:39: Wir müssen jetzt gucken, wie wir Local Content tatsächlich in die Praxis umsetzen können.

00:32:46: Und ich habe ja schon gesagt, es gibt nicht die eine Local Content Forderung.

00:32:52: Es gibt, glaube ich, sehr viele branchenspezifische Forderungen zu Local Content.

00:32:57: Und ich bin sehr dafür, das dann auch dort zu diskutieren, wo es angewendet werden soll, nämlich in den einzelnen Branchen der IG Metall.

00:33:04: Und da betreuen wir ja einige davon.

00:33:07: Das heißt, es gibt nicht eine einheitliche Local Content Forderung, sondern es wird branchenspezifische Local Content Forderungen geben.

00:33:14: Und dann kommt es natürlich darauf an, diese Forderungen in konkrete Gesetzestexte, Verordnungstexte, Texte zur Auszahlung des Sondervermögens hineinzubekommen, damit wir eine konkrete, niedergeschriebene Local-Content-Regelung haben.

00:33:32: Und genau diesen Job werden wir jetzt im gesamten Jahr, in Berlin und in Brüssel, auf die Straße bringen, das heißt, mit konkreten Vorschlägen für eine textliche Gestaltung von Gesetzen, Verordnungen, Richtlinien etc.

00:33:48: vorschlagen und versuchen, dass dort auch reingeschrieben wird.

00:33:51: Klasse.

00:33:52: Uns hast du überzeugt, dann wirst du die auch überzeugen.

00:33:55: Heiko, gutes Gelingen dabei.

00:33:56: Vielen Dank.

00:33:57: Ich danke euch.

00:33:57: Vielen Dank Heiko.

00:34:05: Ja, das waren dann jetzt doch schon sehr viele gute Argumente für Local- bzw.

00:34:09: Jugendkontentregelungen dabei.

00:34:12: halt schon einleuchten, dass man am Ende der Verlierer ist, ein bisschen doof darstellt, wenn alle irgendwie ihre Wirtschaft abschotten, ihre Wirtschaft fördern und man dann am Ende der Einzige ist, die das halt nicht macht.

00:34:25: Ja, ich fand auch das Argument mit den Steuergeldern irgendwie ziemlich logisch.

00:34:29: Also, dass man sagt, wenn man hier eine Brücke baut oder Schienen verlegt oder was auch immer, dass man dann den Auftrag, den heimischen Unternehmen gibt, weil die Zahlen ja auch dann wieder hier steuern und die Beschäftigten dieser Unternehmen, die Zahlen auch hier steuern.

00:34:43: Also, man generiert damit ja auch wieder dann Steuer, einen Namen Steuergelder.

00:34:48: Da habe ich früher nie so drüber nachgedacht, weil das fand ich schon logisch, ne?

00:34:50: Ja, das wäre irgendwie auch schon längst mal eine gute Maßnahme gewesen.

00:34:54: Aber ja, krass fand ich auf jeden Fall auch das Beispiel mit dem Modem im Kran, oder?

00:34:57: Boah,

00:34:58: ja, oder?

00:34:58: Wo dann keiner wusste, wofür das eigentlich verbaut war.

00:35:01: Also dieser Sicherheitsaspekt ist schon auch sehr wichtig, finde

00:35:04: ich.

00:35:04: Ja, und das europäische Wertschöpfungsketten natürlich noch den Vorteil haben, dass sie in der Regel nicht so leicht brechen und auch die Qualität und Flexibilität sicherstellen.

00:35:13: Das hat unser Markus auch noch sehr gut erklärt.

00:35:16: So ist es.

00:35:17: Aber wir müssen jetzt auch nicht alle Argumente hier wiederholen, ne?

00:35:20: Wir haben jetzt mal kurz die wichtigsten Punkte nochmal zusammengefasst für euch.

00:35:24: Aber am Ende müssen wir jetzt halt dafür sorgen, dass diese europäischen Content-Regeln auch wirklich kommen.

00:35:29: Und dafür setzt sich die IG Metall in Berlin und Brüssel ganz stark ein.

00:35:32: Und ihr könnt da auch was dafür tun, werdet IG Metall mitglied, denn je mehr wir sind, desto... Mehr Gewicht hat unsere Stimme in Berlin und Brüssel.

00:35:40: Also denkt da mal drüber nach, wäre doch vielleicht eine gute Sache.

00:35:43: Denkt da mal drüber nach gerne und abonniert doch auch, falls ihr noch nicht schon getan habt diesen Podcast und ihr könnt auch gerne mal eine gute Bewertung.

00:35:51: da lassen.

00:35:52: Das verändert in Berlin und Brüssel nichts, aber wir freuen uns da sehr drüber.

00:35:55: Wichtig noch mal zu sagen und am Ende freuen wir uns auch über euer Feedback, wenn ihr uns das schreibt, Themenvorschläge, wenn ihr die nächste Folge hört.

00:36:02: Unsere E-Mail-Adressen packen wir immer in die Shownutz, auch noch ein paar Infos zu European Content für euch und dann sagen wir tschüss bis zum nächsten

00:36:09: Mal.

00:36:09: Macht's gut, ciao!

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